Angehörige

Gruppe für Angehörige

Ein weiteres Herzstück meiner Arbeit ist die Gruppe für Eltern und LebensgefährtInnen bzw. EhepartnerInnen. In Ausnahmefällen finden sich auch Geschwister ein. Häufig sorgen sich Angehörige schon um ihre Liebsten bevor die Betroffenen selbst dies tun. Sie kommen mit vielen Fragen, Ängsten und leider auch Selbstvorwürfen. Angehörige haben zuerst einmal keine Erklärung für das, was sich ereignet. Deswegen sind sie geneigt, sich selbst die Schuld zu geben. Dies ist immer noch erträglicher, als vollkommen ohne Antwort da zu stehen.

In erster Linie ist es deswegen wichtig Angehörigen Informationen in die Hand zu geben. Wodurch entstehen Essstörungen? Wie unterscheiden sie sich voneinander? Welche Risiken bringen sie mit sich bzw. wie können Folgeschäden minimiert werden? Welche Möglichkeiten der Veränderung bestehen?

Wenn es um Essstörungen geht, dann haben wir es immer mit einer Entstehungsgeschichte zu tun, die sich aus vielen verschiedenen Elementen zusammensetzt. Es gibt nicht DEN EINEN Grund dafür, warum ein Essverhalten entgleist. Wir alle sind dem Schlankheitswahn der Medien ausgesetzt. Wir leben in einer Überflussgesellschaft, in der sich vieles mit einem rasanten Tempo verändert. Rituale und familiär überlieferte spirituelle Orientierung sowie Halt gebende Traditionen kommen uns immer mehr abhanden. Frauen sollen dem Schönheitsideal entsprechen, gute Mütter und Karrierefrauen sein. Und insgesamt ist viel zu oft der äußere Schein wichtiger als die Bedürfnisse der Einzelnen.

In zweiter Linie arbeiten die TeilnehmerInnen durch ihre Anwesenheit und ihre offene Aussprache ihrer Nöte FUEREINANDER. Die gegenseitige Wertschätzung schenkt Trost und Hoffnung. Neue Überlegungen werden denkbar: „Wenn diese gebildete und verständnisvolle Frau ein Kind hat, dessen Essverhalten auffällig ist, dann habe ich selbst möglicherweise auch nicht alles falsch gemacht in meiner bisherigen Erziehung.“

Die Anwesenden erhalten in der Gruppe auch neue Begriffe, um das bisher Unaussprechliche differenzierter zu beschreiben und dadurch leichter zu fassen. Mit der Zeit kommt auch wieder ihre Handlungsfähigkeit zurück. Sie wollen wissen, was sie konkret tun können, um die Situation zu verändern. Das jeweilige Gelingen gemeinsam zu reflektieren und weitere individuelle Vorgehensweisen zu planen ist wesentlicher Teil des Zusammenseins.

 

Einzelsitzungen für Angehörige

Wenn Eltern erkennen, dass sie noch mehr Gesprächsbedarf haben, als dies in der Gruppe möglich ist, lade ich sie zu Sitzungen unter vier Augen ein. Hier kann es sein, dass ihre eigen Lebensgeschichte erzählt werden möchte. Dazu biete ich auch kreative Ausdrucksmittel an – wie schreiben, malen, kneten, tanzen. Im Verständnis für sich selbst liegt oft die Möglichkeit die eigenen Töchter oder (Ehe-) Partnerinnen leichter anzunehmen, wie sie sind.